Der Ausklang

Stadtturm SterzingDer Abstieg

Trotz schönem Sonnenaufgang in der Ferne, dem Pfeifen der Murmeltiere und den freilaufenden Gämsen und dem sehr schönen Weg überfiel mich nun die Traurigkeit. Auch wenn ich noch einen weiteren Tag laufen durfte, begann nun der Abstieg ins Tal und damit auch gefühlt schon die Rückkehr. Ich besann mich auf die Schönheit der Natur, auf das, was ich erlebt habe und rief mir in Erinnerung, dass ja Sterzing mein Ziel war – und nicht der höchste Punkt meiner Tour. So genoss ich die Sonne, das leichte Laufen, den Blick nach Südtirol und auch zurück auf die majestätischen Berge, meine Leistung. Erst ärgerte ich mich über eine Streckensperrung, dann erfreute ich mich daran, weil ich so das Gefühl hatte, den Heimweg rauszögern zu können durch den Extrakilometer. Ich schlief so gut wie keine Nacht zuvor (obwohl ich meist gut schlief, manchmal bereits gegen 20.30 Uhr!). Mein Highlight hatte mich geschafft.

Das letzte Mal laufen, laufen, laufen

Der letzte Wandertag lag vor mir! Ich zog ihn ein wenig hinaus, wollte ihn (und auch die Sonne, die erst hinter den Gipfeln hervorkommen musste) genießen. Und so zog ich leichten Fußes los auf meine letzte Etappe. Suchte mir höher gelegene Wege, um mehr Sonne zu haben und die Strecke zu verlängern. Kehrte noch in dem letzten Café vor Sterzing ein, wippte dort in einem Liegestuhl und machte mich dann langsam auf, um mein Ziel zu erreichen. Mein Ziel, das meine Laufleistung vollenden sollte. Ich ließ mich hier und da noch ablenken, zögerte beim Beobachten von Eidechsen die letzten Meter hinaus und dann stand ich mitten auf dem Stadtplatz, der Zwölferturm vor mir. Ich war da. Am Ende meiner Reise – meiner körperlichen Reise. Meine Seelische wird noch weitergehen!

Ich lief zum Tor, hindurch und wieder zurück, holte mir das erste Mal auf der Tour einen Stempel der Alpenüberquerung und setzte mich einfach glücklich in die Sonne. Kaum saß ich da, fiel eine größere Gruppe Alpenüberquerer ein – welch Wohltat, dass sie mich nicht eingeholt hatten, ich auf der gesamten Tour mein Ding machen konnte, meine Bilder und Eindrücke aufsaugen konnte, genießen durfte und durch und durch bei mir selbst war.

Ein Tag Erholung

Am neunten Tag meiner Reise war nur noch Stadtbummeln angesagt. Natürlich gehörte der Kauf eines einheimischen Espressos für mich dazu. Sterzing ist eine schöne Stadt, aber es trieb mich auch wieder nach Hause, wo ich mich wohl fühle. So fuhr ich spontan das erste Mal mit dem Fernbus Flixbus statt mit der Bahn. Kaum hatte mich der Busfahrer über mein Telefon registriert, hängte sich dieses auf – und ich hatte gezwungener Maßen zwei Tage kein Handy zur Hand. Was für eine tolle alte Erfahrung der absoluten Ruhe!

Der Nachgang

Die Tour hat mich verändert, reifen lassen, mir Selbstvertrauen gegeben. Und ein neues Naturverständnis.

Im nächsten Jahr steht dann der Fernwanderweg E5 Oberstorf – Meran in sechs Etappen an. In Begleitung. Aber es wird nicht meine letzte Tour allein gewesen sein. Ich freue mich auf viele weitere, denn gerade, wenn ich alleine reise, bin ich mehr bei mir, lasse mich von der Natur erden. Und dafür bin ich sehr dankbar!

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Teil 4 – Der Höhepunkt

Die Route

Überblicksseite Alpenüberquerung Tegernsee – Sterzing

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Alpenüberquerung – Teil 5
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