Ich muss gestehen, als ich das erste Mal diese Begriffe las, musste ich an einen Krimi denken. Und Krimis mag ich nicht, weil ich mich da mit meiner Angst auseinander setzen muss.

Bedürfnisse in der Opferrolle

Wie das Wort Opfer schon sagt, sind wir hier passiv, der andere, der Machenende und damit der Täter, ist aktiv, der Handelnde.

Wenn wir uns nun unsere Bedürfnisse anschauen und ich auf meine gewünschte Ruhe am Berg zurückkomme, kann ich wütend werden, weil die anderen laut und die Wege breit sind. Ich kann mich bemitleiden, die Umstände verfluchen und mich damit wunderbar in der Opferrolle suhlen. Ich kann aber auch – und das klingt jetzt hier einfacher als es ist – akzeptieren, was ist und daraus das Beste machen. Damit begebe ich mich in die Täterrolle (ich tue aktiv etwas).

Natürlich ist es meist nicht so einfach wie hier am Beispiel. Aber (fast) alle von uns kennen ähnliche Situationen in der Arbeit oder zu Hause: die Kollegen waren so laut, daher konnte ich mich nicht konzentrieren und habe Fehler gemacht. Oder der Kinder- und Straßenlärm haben gestört. Ja, das mag sein. Aber habe ich die Kollegen aktiv gefragt, ob sie leiser sein können oder ich ein anderes Büro nutzen kann, um mich konzentrieren zu können? –> Hier kannst du sogar wunderbar üben, deine Bedürfnisse klar zu benennen und zu kommunizieren!

Oder: der Arbeitgeber ist doof. Ich darf dies nicht, jenes ist untersagt, und die Führungsetage ist eh blöd. Und ja, ich gebe zu, dass dies wahnsinnig einfach ist, so zu denken. Mach ich hin und wieder auch so. Aber wie heißt es so schön:

leave it, love it or change it (englische Lebensweisheit)

Heisst konkret:

  • Verlasse die Situation (kündige, suche dir was Anderes (ob Job oder Wohnung)
  • Lerne die Situation anzunehmen (akzeptiere das, was da ist und mache es dann aus vollem Herzen)
  • Verändere die Situation (sprich mit Kollegen, Vorgesetzten, bring Verbesserungen ein)

Und selbst wenn reden und Verbesserungsvorschläge nichts bringen, hast du die Möglichkeit, Variante 1 oder 2 zu wählen. Jedenfalls steht nirgends: bleibe passiv in deiner Jammerrolle. Manches müssen wir sogar als gegeben hinnehmen, können es nicht ändern. Sei es, weil wir uns beispielsweise am heißen Topf verbrannt haben oder tatsächlich etwas passiert ist, was nicht rückgängig gemacht werden kann (Unfall, Brand, Tod,…). Aber auch hier haben wir die Möglichkeit, zu entscheiden, wie wir damit umgehen.

Das ausgelaufene Wasser

Mir ist es auf einer Reise passiert, dass ich mein Wasser in den Koffer gestopft habe. 1,5 Liter wohlgemerkt. Als ich die Flasche aus dem Koffer nahm, war sie leer. Und mein Koffer innen nass. Nun war es nur Wasser, ich hatte den Koffer aufrecht stehen, somit war sogar ein Teil der Sachen – und zwar die wichtigen Geschenke! – trocken. Ich hätte mich aufregen, über meine Dummheit schimpfen können, aber ich habe es mit Humor genommen. Es war nur Wasser, ein trockenes Shirt zum Schlafen fand ich, das Wichtigste ist trocken geblieben, es war nichts verfärbt, was wollte ich mehr? Ach, und für den Zug hatte ich sogar einen Getränkegutschein.

Das ist gemeint mit der Täterrolle: dass ich es nehme, wie es ist. Schaue, ob meine Bedürfnisse erfüllt sind, wenn nicht, dafür sorgen, dass sie erfüllt werden.

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Opfer- und Täterrolle
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