Gerade wegen meines Beitrags über Selbst- und Fremdwahrnehmung „muss“ ich (für mich) das Thema Enttäuschung aufgreifen, weil dies oft einhergeht.

Wie entsteht Enttäuschung?

Du hast dich nun so in Schale geworfen, glitzerst im Abendrot und ich – ich sehe es, aber tue es als kitschig romantisch ab. Oder ich sehe es tatsächlich nicht, weil ich es nicht kenne, für mich vielleicht auch unwichtig ist oder ich mit mir beschäftigt bin.

Und du – du bist nun enttäuscht, weil ich dich nicht so sehe wie du es gern hättest. Richtig, es ist dein Wunsch, dass ich dich strahlen sehe, dies anerkenne und toll finde. Dies ist deine Erwartung an die Welt, eine Hoffnung nach Anerkennung und Liebe. Vollkommen berechtigt.

Aber es ist deine Sicht, dein Wunsch. Und da ich deinen Wunsch nicht erfülle, bist du ent-täuscht.

Das falsche Bild

Genauso ergeht es vielleicht mir: ich schnüre meine Wanderschuhe, mache mich lustvoll auf den Weg, weil der Berg einladend nach einer schönen, einsamen Tour aussieht. Ich laufe los, und überall sind laute, langsame Familien, schnelle Radlfahrer, breite Wege. Dabei sah es doch von unten so aus als schlängelte sich dort im Wald einsam ein Weg hoch, geschützt im Schatten. Und nun stehe ich in gleißender Sonne auf einem breiten Forstweg und bin genervt, vielleicht wütend. Warum? Weil ich ein anderes Bild vor Augen hatte. Weil ich mir was anderes gewünscht habe, einen anderen Massstab angelegt hatte. Aber du bist genau das, was du bist: der Berg mit Wäldern und Wegen. Nicht mehr, nicht weniger. Nur ich hatte mir was anderes versprochen und bin daher nun ent-täuscht. Musste, wie auch du, eine Täuschung aufdecken, die ich mit meiner Erwartungshaltung, mit meiner Hoffnung falsch geknüpft habe (wir gehen hier davon aus, dass du keine falsche Fährte gelegt hast, das ist anderes Kapitel). Nur weil es mein Wunsch ist, einsam auf schmalen Wegen zu laufen, kann nicht jeder Wanderweg danach ausgerichtet werden. Auch ich muss mich den Begebenheiten anpassen, den Berg so nehmen, wie er ist – oder mir was anderes suchen. Ich kann meine Einstellung ändern, um nicht weiterhin enttäuscht zu sein, oder ich bleibe enttäuscht (letztendlich über mich, auch wenn ich es auf den Berg projiziere) und kann mich darüber ärgern, wütend sein, schimpfen, aber ich werde es nicht ändern können, selbst wenn ich mit einem Spaten losziehe und die Wege verschmälere (aber auch dies ist ein anderes Kapitel).

Die Enttäuschung loslassen

Nun sind wir beide enttäuscht, weil wir nicht das bekommen haben, was wir uns gewünscht haben. Vielleicht hocken wir wie ein trotziges Kind da, lecken unsere Wunden und fühlen uns – mal wieder – bestätigt, dass nie etwas so ist, wie wir glauben.

Was hilft? Wir können uns die Enttäuschung bewusst machen. Woher rührt sie? – aus unseren Erwartungen, Hoffnungen, aus unseren verinnerlichten Glaubenssätzen, aus unseren Wünschen. Der Wunsch nach Anerkennung bzw. der Wunsch nach Ruhe.

Sobald ich mir bewusst mache, was mein Wunsch war, der die Enttäuschung ausgelöst hat, kann ich mich von der Enttäuschung losmachen, sie verstehen, sie annehmen und zulassen. Denn nichts anderes zeigt uns die Enttäuschung: ich habe einen Mangel, der gefüllt werden möchte.

Nun ist es an dir, diesen Mangel (= Bedürfnis; vielleicht auch Angst z. B. vor Liebesentzug) zu erkennen und ihm Nahrung zu geben. Dazu kommen wir ein anderes Mal.

Frage – Selbstreflexion

Wo warst du enttäuscht und konntest erkennen, dass du dich selbst (und nicht die anderen dich) getäuscht hast? Was war der Auslöser/dein Mangel/deine Angst?

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Ent-Täuschung
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