Was ist Freiheit?

Freiheit bedeutet für mich, dass ich (den Gesetzesregeln entsprechend) tun und lassen kann, was ich möchte. Ich habe die Wahl, mich für das eine, das andere und was ganz anderes zu entscheiden. Aber ich muss eine Entscheidung treffen.

Und ja, weil ich auf gesellschaftliche Normen, Verträge und auch Gesetze Rücksicht nehme(n muss), kann sich jemand vielleicht nicht frei fühlen, aber darum geht es hier nicht.

Ich spreche von der persönlichen Entscheidung, z. B. auf Fleisch zu verzichten oder seinen Job zu kündigen. Vielleicht sogar noch in der Vorstufe, wo es nur darum geht, seinen Bedürfnisse zu äußern und in seine Selbstfürsorge zu gehen.

Die zwei Seiten des Frei-Fühlens

Nehmen wir mal das Beispiel Fleischverzicht. Unabhängig davon, worin die Beweggründe liegen (wie Geschmack, CO2- und Wasserverbrauch, Wertigkeit, feinstoffliches System,…).

Person A fühlt sich schon eingeschränkt, weil Person B sich nun in ihren Augen kasteien mag. Für Person A wird hier ein Lebensgefühl unterdrückt, immer entscheiden zu können, das zu konsumieren, wonach ihr gerade gelüstet. Die Gründe hierfür können vielfältig sein:

  • (ungewollter) Verzicht in der Kindheit
  • Erlebnisse, dass ihr etwas weggenommen wurde und damit Verlustangst
  • sie selbst ist eine inkonsequente Person
  • Person B ist ihr sehr wichtig, daher überträgt sie ihre Einschränkungsangst auf Person B (Stichwort Projektion) und wünscht sich für sie die Freiheit/ihr eigenes Freiheitsgefühl
  • sie ist nicht empathisch genug, um sich in Person B hineinzufühlen (das ist keine Kritik, nur ein möglicher Grund, falls dich dies beim Lesen triggert)
  • … ergänze du gern in den Kommentaren, was ich vergessen habe

Person B hingegen hat sich aus einem oder mehreren Gründen für sich dem Verzicht verschrieben und empfindet nun (dennoch!) ein totales Freiheitsgefühl und geht in ihre Verantwortung:

  • Weil sie den Luxus (ja, das ist purer Luxus!) hat, auf etwas verzichten zu dürfen, was in ärmeren Ländern nicht möglich wäre. Wer Hunger leidet, würde niemals auf die Idee kommen, Essen abzulehnen.
  • Weil sie für sich nun ein gutes (Umwelt-)Gefühl hat.
  • Weil sie der Übersäuerung des Körpers vorbeugt (Stichwort Gesundheit). Und jaja, sie hört die Stimmen schon rufen, die da „Vorsicht Mangelerscheinung“ rufen 😉
  • Weil sie aus ihrer Komfortzone ausbricht, neue Rezepte ausprobiert und damit ein total neues, freies Geschmacksempfinden hat.
  • Weil sie sich von ihren Schuldgefühlen losmachen kann. Sie würde doch niemals ihrem Nachbarn die Hand umdrehen, um sein Essen zu stibitzen. Aber den Tieren wird in ihren Augen viel Leid angetan, wofür sie sich als Konsument schuldig fühlt(e).
  • Weil sie dies für sich selbst entscheiden kann, was sie mag und was nicht. Das kann auch nicht jede Person auf der Welt tun.
  • Weil es zwar endgültig ist, aber jederzeit revidierbar. Es ist ja keine endgültige OP, bei der ein Organ entfernt wird. Das Organ wird nur gerade – in ihren Augen zu ihrem Vorteil – nicht genutzt, kann aber bei Bedarf wieder eingesetzt werden.
  • … Welche Gründe fallen dir noch ein?

Weitere Beispiele

Ähnlich verhält es sich bei einer Wohnungs- oder Jobkündigung. Für den einen bricht sofort eine Angst der Unsicherheit los, bei dem nächsten ist es die Freiheit, endlich tun und lassen zu können, was er/sie mag. Der Freigeist darf nun aktiv und kreativ werden. Oder wie schaut es z. B. bei der inhaltlichen Gestaltung von Hobby und Job aus? Den einen stresst Reisen, der nächste empfindet Freiheits- und Glücksgefühle. Das Halten eines Haustieres, insbesondere eines Hundes, ist für den einen die totale Einschränkung, mit dem Hund rausgehen zu müssen, der andere liebt die langen Spaziergänge.

So verhält es sich mit jeder Entscheidung, die du triffst – oder die für dich getroffen wird.

Gründe der zwei Seiten

Warum reagiert nun die eine mit Erleichterung, der andere mit einer Schockstarre?

Das ist in unserem Naturell begründet. In unserem Charakter, in unseren Prägungen und Erlebnissen und deren Bewertung. So kann eine große Kaffeerunde für das eine (introvertierte) Kind als laut und anstrengend empfunden werden, während ein anderes (extrovertiertes) Kind die gleiche Kaffeerunde mit Spaß und Streicheleinheiten verbindet. Zudem spielen die Umstände eine Rolle: als Geldverdiener einer mehrköpfigen Familie trifft mich eine Kündigung vielleicht mehr als einen Single, der ggfs. bei Freunden Unterschlupf findet oder einen einfachen/nicht so gut entlohnten Job annehmen kann und dennoch über die Runden kommt.

Mein Fazit

Ich finde es immer wieder spannend zu beobachten, wie ich mit meinen eigenen Entscheidungen in anderen Personen gegenteilige Gefühle auslöse, die für mich zuvor überhaupt nicht auf dem Plan standen. Sich dann auszutauschen und die Gründe der Reaktion zu erforschen und die beiden Meinungen nebeneinander stehen lassen zu können, das macht mir so richtig Spaß. Gibt mir Einblick in eine andere Welt. Schon durch den Austausch habe ich manchmal das Gefühl, meine Komfortzone zu verlassen.

Frage

Wie geht dir das? Kannst du Entscheidungen von anderen (nach dem Gespräch) stehen lassen oder magst du der Person lieber aufzeigen, was deine Ansicht ist? Ich freue mich auf den Austausch mit dir 🙂

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Die Freiheit in dir
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